Integrationskonzeption

Gesetzliche Grundlagen:

Grundlage für die Integration bildet seit 1949 das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland Artikel 3 Absatz 3: „...Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."

Im Artikel 7 der Verfassung des Freistaates Sachsen vom 27. Mai 1992 sind die rechtlichen Grundlagen für den Freistaat Sachsen festgelegt. Das Schulgesetz für den Freistaat Sachsen definiert den allgemeinen Bildungs- und Erziehungsauftrag für jeden jungen Menschen - auch für Schüler mit Beeinträchtigungen. Hier heißt es: "Der Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule wird bestimmt durch das Recht eines jeden jungen Menschen auf eine seinen Fähigkeiten und Neigungen entsprechende Erziehung und Bildung ohne Rücksicht auf Herkunft oder wirtschaftliche Lage."

Grundlage für die integrative Unterrichtung von Schülern mit Beeinträchtigungen ist die Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs im Sinne der Verordnung des sächsischen Staatsministeriums für Kultus über Förderschulen im Freistaat Sachsen vom 03.08.2004. In den einzelnen Schulordnungen wird bezüglich der Integration auf die Schulintegrationsverordnung als Rechtsgrundlage verwiesen.

Ausgangssituation der Schule

Das Einzugsgebiet der Mittelschule umfasst die Stadt Pulsnitz mit den dazugehörigen Ortsteilen, die Stadt Großröhrsdorf sowie die Gemeinden Bretnig, Großnauendorf/ Mittelbach, Haselbachtal, Höckendorf-Laußnitz, Leppersdorf, Lichtenberg, Ohorn, Reichenbach und Steina.

Es werden an der Schule zur Zeit 478 Schüler von 38 Lehrkräften und 2 Referendaren unterrichtet.

Die Ernst-Rietschel-Mittelschule verfügt über ein ganztagsschulisches Angebot, in das Lehrer und außerschulische Partner mit einbezogen sind. Neben Hausaufgabenbetreuung und Schulbibliothek stehen den Schülern zahlreiche Arbeitsgemeinschaften zur Verfügung.

Im Schuljahr 2012/2013 werden 6 Integrationsschüler mit unterschiedlichem Förderschwerpunkt an der Mittelschule unterrichtet.

Pädagogisches Grundprofil

Einen Schwerpunkt unserer schulischen Arbeit stellt seit einigen Jahren die individuelle Förderung der Schüler dar. Ein ausgearbeitetes Förderkonzept sowie individuelle Förderpläne sollen die inklusive Förderung von Schülern mit Benachteiligungen erleichtern.

Dieser gemeinsame Unterricht muss ein offener und schülerzentrierter Unterricht sein, was auch ein neues Verständnis der Lehrerrolle bedingt. Hier helfen den Lehrkräften die Integrationsstunden. Die Aufgabe der Lehrkräfte in diesen Stunden besteht darin, dem Kind Freiräume zu schaffen, in denen es Antworten auf eigene Fragen durch kritische Auseinandersetzung mit der Welt finden kann.

Im gemeinsamen Unterricht werden auch Probleme wie unterschiedliche Aufmerksamkeit, unterschiedliches Arbeitstempo sowie Bewegungs- und Kommunikationsbedürfnis der Kinder in die gemeinsame Arbeit mit einbezogen.

Die wichtigsten Prinzipien unserer pädagogischen Arbeit und für den integrativen Unterricht lauten somit

  • mehr Miteinander, weniger Gegeneinander
  • mehr innere Differenzierung, weniger äußere Differenzierung
  • mehr Schülerzentriertheit, weniger Lehrerzentriertheit

Offene Lernformen helfen, den individuellen Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Die Kinder sollen gemeinsam an einer Sache arbeiten und nach dem Leistungsvermögen ihre individuellen Beiträge einbringen.

Räumliche Voraussetzungen

Die Ernst- Rietschel- Mittelschule wurde während des Schuljahres 2003/04 saniert und dabei barrierefrei und behindertengerecht ausgestattet. Die sächlichen Grundlagen für eine integrative Unterrichtung von Schülern mit unterschiedlichen Förderschwerpunkten wurden dadurch geschaffen. Die räumliche Situation erweist sich trotz der Rekonstruktion für eine inklusive Beschulung im Moment als schwierig. Die Schüler werden im Klassenraumprinzip unterrichtet. Das bedeutet, dass sie, bis auf wenige Ausnahmen, den gesamten Tag in ihrem Raum unterrichtet werden.

An der Schule stehen

  • 18 Klassenzimmer, die nicht als Fachunterrichtsräume genutzt werden
  • 2 Fachunterrichtsräume für den sprachlich/literarisch/künstlerischen Bereich
  • 10 Fachunterrichtsräume für den mathematisch/naturwissenschaftlich/technischen Bereich

zu Verfügung.

Auf Grund der hohen Klassenanzahl stehen damit keine weiteren Räume zur außerunterrichtlichen Nutzung zur Verfügung. Außerdem gibt es das Nähkabinett und Computerkabinette. Zum Sportunterricht wird eine Sporthalle mit entsprechenden Sportfreiflächen, die nicht an das Schulgebäude angrenzen, genutzt.

Materielle Voraussetzungen

Die Lehrer der Mittelschule können auf einen Fundus von Arbeitsmaterialien zurückgreifen, der es ermöglicht, Schüler mit einer Lese-Rechtschreibschwäche zu fördern. Es gibt Freiarbeitsmaterialien zur individuellen Förderung. Ein Methodenhefter für die unterschiedliche Förderung aller Schüler wird erarbeitet. Arbeitsmaterialien im Umgang mit autistischen Kindern sind ebenso vorhanden.

Grundzüge unseres Integrationskonzeptes

In der Mittelschule werden momentan Kinder mit einem Bedarf in den Förderschwerpunkten

  • emotionale und soziale Entwicklung
  • körperlich motorische Entwicklung
  • Autismus sowie
  • Sprache

unterrichtet.

Leistungbewertung

Wird bei einem Kind Förderbedarf festgestellt, erfolgt ein zielgleicher Unterricht, das heißt, alle Kinder haben das gleiche Lernziel. Es werden aber dementsprechend individuelle Bewertungsmaßstäbe zur Leistungsbewertung zugrunde gelegt. In detaillierter Abstimmung mit der betreffenden Lehrkraft wird ein Nachteilsausgleich für den Schüler erarbeitet.
Ziel dieser Förderung ist es , dem Schüler einen erfolgreichen Abschluss der Mittelschule durch das Bestehen der Realschulprüfung bzw. der Besonderen Leistungsfeststellung für einen Hauptschulabschluss zu ermöglichen. Auch hier sind entsprechend den Prüfungsbestimmungen nachteilsausgleichende Maßnahmen möglich.
Bei Schülern mit autistischem Verhalten kann die Bewertung von Betragen, Fleiß, Mitarbeit und Ordnung ausgesetzt werden.

Weitere Formen sonderpädagogischer Förderung

Es erfolgt an unserer Schule eine enge Zusammenarbeit mit den entsprechenden Förderschulen. In den erarbeiteten Förderplänen werden Lernstände festgestellt, um so die nächsten Schritte der Entwicklung festzulegen.
Zusätzlich kann auf Antrag der Eltern bei einer vorliegenden Notwendigkeit eine Schulbegleitung den Schüler in Unterrichtsfächern unterstützen. Diese kennt die Rahmenbedingungen der Schule sowie das soziale Umfeld des Kindes. Damit kann sie helfend bei Lernschwierigkeiten eingreifen. Die Förderung soll darauf ausgerichtet sein, das Kind auf seinem Lernweg so zu begleiten, dass Rückstände im Lernen oder im sozial-emotionalen Verhalten ausgeglichen oder minimiert werden können. Hier erfolgt eine enge Zusammenarbeit zwischen der Schulbegleitung und den Fachlehrern. Die Zusammenarbeit mit den Eltern wird dadurch auch erleichtert, da es einen kompetenten Vermittler zwischen Schule und Elternhaus gibt.

Ausblick

„Die Grenzen der Integration sind nicht an den Kindern und Jugendlichen festzumachen, sondern definieren sich einzig und allein an den Möglichkeiten der jeweiligen Schule, adäquate Lernbedingungen und Voraussetzungen zu schaffen." ( Wilfried Schley/Almut Köbberling)

Die Lehrer der Mittelschule Pulsnitz stoßen im Moment in diesem Prozess der integrativen Beschulung oft noch an Grenzen, die nicht immer nur selbst gesetzt sind. Trotzdem werden wir als Lehrer dieser Schule versuchen, diese Grenzen zu überschreiten bzw. weiter zu rücken. Die erfolgreiche Entwicklung unserer Integrationsschüler zeigt uns bisher, dass sich dieser Arbeitsaufwand lohnt.

(MK)

   
© 1998 - 2021 Oberschule Pulsnitz